Die fünf größten Mythen und Fakten zum Brustkrebs

Dr. Armbrust & Prof.Dr. Jens-Uwe Blohmer

Gastexperte Prof. Dr. Jens-Uwe Blohmer und Dr. Robert Armbrust widmen sich in der neuen Folge des Krebs Podcasts dem Thema „Die fünf größten Mythen und Fakten zum Brustkrebs“. Mit Hilfe von wissenschaftlich begründeten Fakten wollen sie die häufigsten Mythen nachhaltig aus dem Weg räumen. Zusammen klären wir, was Brustkrebs ist, wie er sich entwickelt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie man mit der Krankheit umgehen kann.

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Der Krebs Podcast – Die fünf größten Mythen und Fakten zum Brustkrebs.mp3

Dr. Armbrust [00:00:00] Dieser Podcast wird unterstützt von der Hexal AG. Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, ich freue mich ganz besonders, heute einen Experten zu den fünf größten Mythen und Fakten zum Mamakarzinom begrüßen zu dürfen. Und zwar ist heute bei mir Prof. Dr. Jens Uwe Blomer. Er ist Direktor der Klinik für Gynäkologie mit Brust-Zentrum an der Charité am Campus in Mitte und beschäftigt sich schon sehr viele Jahre mit dem Thema Mamakarzinom. Lieber Prof. Blomer, ich freue mich sehr, dass Sie heute da sind und als Gast, Experte und Redner in unserem Podcast Mamakarzinom zu der letzten Folge dieser Reihe da sind. Wir beschäftigen uns mit einem, wie ich finde, ganz wichtigen Thema, nämlich Mythen und Fakten. Wir kennen alle Informationen, Informationskanäle. Viele Patienten informieren sich übers Internet, über Zeitschriften, über Bekannte, über Angehörige. Und auch so habe ich meine Suche nach den Mythen und Fakten angegangen und habe mal so geguckt Was sind denn so die häufigsten Dinge, die einem eigentlich so auftreten? Und ich freue mich sehr drauf, dass sie uns vielleicht das eine oder andere, den einen oder anderen Mythos einfach ein bisschen besser erklären. Mythos Nummer eins Die Art und die Größe der Brust hat einen Einfluss auf die Entstehung von Brustkrebs.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:01:22] Es ist wahrscheinlich nicht so, also die Größe wahrscheinlich nicht und die Art schon gar nicht. Warum sage ich wahrscheinlich? Es gibt ja unterschiedliche Brust Größen und Formen und Typen in den unterschiedlichen Regionen der Welt. Und man dachte eine Zeit lang, dass nordeuropäische Frauen aufgrund ihrer Größe, Körpergröße und aufgrund ihres Gewichtes ein höheres Risiko hätten, Brustkrebs zu haben. Insofern ist das sogar ein Mythos aus der Vergangenheit. Heute wissen wir, dass das reproduktive Verhalten entscheidend ist, sprich auf Deutsch, wenn Frauen später Kinder bekommen, keine Kinder bekommen oder nur wenige Kinder bekommen, kurz stehen, dann ist ihr Risiko höher, an einem Brustkrebs zu erkranken als bei Frauen, die sehr früh und sehr viele Kinder bekommen. Und da in Nordeuropa der Wohlstand begann und die skandinavischen Länder besonders wohlhabend waren und sich deshalb auch leisten konnten, wenige Kinder zu bekommen, weil die Altersvorsorge in diesen Ländern durch den Staat geregelt war oder eben spät Kinder zu bekommen, weil sie eben auch keine Unterstützung brauchten, hatte man den Eindruck, oder war es tatsächlich so, dass die Inzidenz das neue Auftreten von Brustkrebs häufiger war als in südeuropäischen oder erst recht südlichen Ländern der Welt, mit einem, sagen wir mal noch natürlichen reproduktiven Verhalten. Aber heute kann man das Phänomen in allen Ländern sehen, in dem Moment, wo der Fortschritt beginnt im Sinne einer Altersvorsorge. Eine Altersversorgung nimmt die Anzahl der Kinder pro Frau ab. Die Frauen werden später schwanger und nahezu reziprok beginnt dann die der Brustkrebs häufiger zu werden. Es ist schon eine Kultur Krankheit, wenn man das so sagen oder eine Zivilisations Erkrankung.

Dr. Armbrust [00:03:09] Das heißt das ist eigentlich ein klarer Mythos und die Beschaffenheit des Drüsen Körpers. Das habe ich auch ab und zu gelesen.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:03:16] Ja das spielt eine Rolle. Und deshalb war ich erst ein bisschen skeptisch in der Beantwortung oder ein bisschen zögerlich in der Beantwortung. Dichtest Drüsengewebe, also eine Brust, die zum großen Teil aus Brustdrüse besteht und hier insbesondere aus einem sehr dichten Bindegewebe. Die Frauen haben wirklich ein sehr viel höheres Risiko, Brustkrebs zu bekommen ist vergleichbar ungefähr mit dem Risiko einer an der Keimbahn Mutation BRK2 erkrankten Patientin Brustkrebs zu erlangen. Woran das liegt, weiß man nicht. Man weiß, dass die Krebszellen in einer sehr engen Interaktionen mit dem umliegenden Gewebe sich befindet, Bindegewebe, Immungewebe usw. das wird möglicherweise eine Rolle spielen. Richtig aufgelöst ist das noch nicht. Das ist kein Mythos, das ist ein Fakt. Dichtes Drüsen Gewebe, man kann das messen. Es gibt eine Maßeinheit  vom American College of Radiologie aka früher 1 bis 4, heute A bis D 4 oder die bedeutet ein hohes hohe Brust, Dichte und Frauen über 40. Insbesondere über 50, die so eine hohe Brust Drüsen Dichte haben, die haben ein höheres Risiko. Das ist ein Fakt.

Dr. Armbrust [00:04:22] Würden Sie diesen Frauen empfehlen, eher zum Screening zu gehen oder sollten Sie eine andere Art von Vorsorge, die eigentlich haben?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:04:29] Die sollten eigentlich ein Risiko adaptierte Vorsorge haben. Es gibt einige Länder, die machen das tatsächlich, dass sie bei hoher Brust Drüsen Dichte automatisch eine Mama Sonographie zum Beispiel machen. Österreich die haben ihr Screening Programm vor ein paar Jahren erst begonnen. Die haben damit sehr gute Erfahrungen, gute Erfolge auch publiziert worden vor zwei Jahren. Deutschland ist das leider nicht so. Es wird häufig die Brust Drüsen dicht über Mammografie Screening gar nicht angegeben und deshalb kann ich den Frauen empfehlen ihren Frauenarzt zu fragen, ob sie eine hohe Brust Drüsen Dichte haben oder nicht und dann in qualifizierten Brust Ultraschall anschließen zu lassen. Das ist ein Fakt. Das ist evidenzbasiert, dass der zusätzliche Brust Ultraschall bei den Drüsen Gewebe die Früherkennung von Brustkrebs verbessert und damit auch die Heilungsrate.

Dr. Armbrust [00:05:13] Das finde ich einen sehr wichtigen Punkt. Sie hatten gerade schon gesagt, dass Mamakarzinom ist eine Art Erkrankung, die auf mit Lebensbedingungen und äußeren Einflüssen zu tun haben kann und auch Hormone. Deswegen das zweite. Der zweite Punkt ein ungesunder Lebensstil oder auch die Einnahme von Hormonen begünstigen die Entstehung von Brustkrebs. Was sagen Sie dazu?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:05:34] Das stimmt pauschal gesagt auch in einigen Facetten. Ich versuche mal ein paar Punkte rauszunehmen, ungesunder Lebensstil, also wenn jemand aufgrund kohlehydratreiche Ernährung und geringer Bewegungsintensität und -häufigkeit dick wird, also übergewichtig wird, adipös wird, dann haben diese Frauen ein signifikant erhöhtes Risiko, Brustkrebs zu bekommen und eigentlich auch alle Arten von Brustkrebs. Diesen Zusammenhang scheint es zu geben. Dazu gehört natürlich auch Alkohol als sehr energiereiches Nahrungsmittel oder auch Genussmittel. Das stimmt. Dafür stimmt es, dass das ungesunde Leben wirklich Brustkrebs fördert.

Dr. Armbrust [00:06:16] Zu den Hormonen, da meine ich insbesondere die Einnahme der Pille.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:06:18] Pille spielt praktisch keine Rolle, das weiß man. Spielt überhaupt keine Rolle, weil die Pille im Allgemeinen bis zum 50. Lebensjahr eingenommen wird oder eigentlich nur bis zu 40 eingenommen werden sollte wegen des dann erhöhten Thrombose Risikos. Das spielt praktisch für die Brustkrebs Entstehung keine Rolle. Die Einnahme von Hormonen um die Wechseljahre herum und insbesondere daran darum. Das muss man sehr differenziert sehen, eine reine Östrogen Einnahme, also eine reine Einnahme von Östrogen, häufig als Pflaster, als Cremes, als gilt als eingenommen reduziert die Häufigkeit an Brustkrebs zu erkranken. Das ist vielen nicht bekannt. Nur erhöht die reine Östrogen Einnahme gleichzeitig das Risiko an einem Gebärmutter Krebs zu erkranken. Es spielt auch die Zeit eine Rolle. Eine kurze Einnahme von Östrogen reduziert die Häufigkeit an Brustkrebs. Die Problematik ist also, die Frauen, die eine Gebärmutter haben, werden durch eine reine Östrogen Einnahme wahrscheinlich Blutung Störung bekommen, Dauerblutungen, Zwischenblutungen, Blutungsunregelmäßigkeiten und werden deshalb schon den Gestagen bekommen oder eben aus Angst vor dem Animatekarzinom und Gynäkologen stehen stecken in einer Zwickmühle, man kann jetzt den Frauen nicht guten Gewissens empfehlen sich die Gebärmutter oder Teile davon entfernen zu lassen, um eine Mono Therapie der Östrogene nehmen zu können. Wenn eine Indikation dazu besteht, dann schon. Und man kann ihn auf der anderen Seite aber die Gestagen auch nicht empfehlen, weil man weiß, dass man dadurch das Krebsrisiko erhöht. Und Brustkrebs lässt sich im Allgemeinen schwerer behandeln als beispielsweise in Gebärmutter Krebs. Wir haben da eine echte Zwickmühle. Kann er nur empfehlen, dass die Frauen im individuellen Fall beraten werden, ob eine Hormonersatztherapie oder Substitution Therapie notwendig ist? Und wenn ja, dann welche? Wirklich hoch individuell und nicht ganz pauschal. Aber noch mal zusammengefasst Eine Mono Therapie mit Östrogen ist in Bezug auf das Krebsrisiko ungefährlich, scheint es sogar zu reduzieren. Die Kombination und die meisten  Präparate für die Wechseljahre und danach sind Kombinationspräparate sind für Brustkrebs gefährlich, erhöhen die Häufigkeit

Dr. Armbrust [00:08:22] Sie haben gerade den Zeitraum angesprochen. So eine kurze Einnahme – Was darf man darunter verstehen?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:08:27] 5 Jahre danach beginnt es kritisch zu werden. Ab 10 Jahren nimmt die Häufigkeit zu und wir empfehlen dann, dass die Frauen immer wieder versuchen sollten abzusetzen, die Dosierungen zu reduzieren. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo das dann auch geht. Und wenn es den Frauen schlecht geht, die nehmen sie ja nicht aus Freude, sondern weil sie häufig Verstimmungen haben, Mißstimmung haben, Depressionen, auch organische Beschwerden, Trockenheit der Schleimhaut und so weiter. Wenn diese Beschwerden stärker sind, als die Angst von mir aus vor solchen Präparaten, dann sollten sie die Medikamente weiter nehmen und dann vielleicht nach einem halben Jahr wieder mit einer Reduktion oder gar dem Absetzen versuchen zu beginnen.

Dr. Armbrust [00:09:12] Wenn ich die Frage umdrehen würde und sagen würde, wenn man denn ganz besonders gesund lebt und an einem Mamakarzinom erkrankt ist, hat man denn dann bessere Prognosen als jemand, der in Anführungsstrichen eher einen ungesunden Lebensstil auch in der Erkrankung hat?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:09:26] Wenn man seinen ungesunden Lebensstil weiterführt, dann ja. Wir haben, also man muss es immer unterscheiden, es gibt Daten zur Brustkrebs, Häufigkeit und Lebensstil. Und da hatte ich ja gesagt, dieser energiereiche Nahrungsaufnahme. Lebensstil ist schlecht. Und dann haben wir Daten von Frauen, die Brustkrebs haben. Und da ist es erwiesen, dass die, die es schaffen, ihr Gewicht zu reduzieren, in den BMI zwischen 25 und 30, zwischen 20 und 25, 20 und 25, maximal 30, aber nicht unter 20 und auch nicht über 30. Dass die Frauen wirklich länger leben, eine bessere Prognose haben. Also man sollte wirklich versuchen unter 25 zu kommen und auch zu bleiben. Wenn man es vorher nicht hatte, dann kann man da seinen Lebensstil modifizieren und verbessern. Wenn man bei den 30 über 30 bleibt, dann ist die Prognose signifikant schlechter, unabhängig von der Tumor hat.

Dr. Armbrust [00:10:20] Meine Frage ist hier doch ein bisschen in den Mythos, die man oft liest das Fasten, das Verzichten auf Zucker während einer Krebsbehandlung oder Therapie. Das liest man ja auch ganz oft. Wenn der Krebs kein Zucker mehr hat, dann wächst da nicht mehr. Was sagen Sie dazu?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:10:32] Stimmt so nicht. Das wäre zu simpel. Also wenn das so wäre, dann brauchten wir nur sozusagen allen Frauen zu empfehlen, kein Zucker zu nehmen und schon hätten wir den Brustkrebs im Griff. Er würde der nicht entstehen und wir würden auch keine Frauen daran sterben sehen. Das funktioniert so nicht. Indirekt schon. Wenn ich natürlich den Zuckerkonsum reduziere, reduziere ich mein Gewicht. Ich reduziere dadurch auch den Insulinspiegel und es ist so, dass ein hoher Insulinspiegel und den haben wir genau bei den Frauen, die sogenannte Insulinresistenz haben, die also adipöse und fettleibig sind. Die haben einen hohen Insulin Spiegel und wenn die dann auch noch ungesund essen, bleibt er auch hoch. Das fördert die ist das Brustkrebs Wachstum deshalb, weil an vielen Brustkrebs Zellen Insulin ähnliche Faktoren an der Oberfläche sind Eiweiße, die auf das Insulin reagieren. Und wenn man einen hohen Insulin Spiegel hat, dann hat man gleichzeitig auch ein hohes Risiko Brustkrebs zu bekommen und auch eine schlechtere Therapie Antwort und überhaupt eine schlechtere Prognose. Die Frauen, die zum Beispiel das Metformin oder ähnliche Produkte nehmen, die haben eine bessere Prognose als die, die zum Beispiel Insulin bekommen, weil sie Diabetikerin sind. Insofern ist das mit dem Zucker indirekt schon richtig. Aber es ist zu simpel und zu einfach zu glauben, dass man durch den bloßen Zucker Verzicht irgendwie kein Brustkrebs kriegt oder dass die Prognose sich verbessert. Und das sollte auch nicht dazu führen, dass das Leben dann völlig freudlos wird, weil ganz ohne Zucker wird es nicht gehen. Aber eine Reduktion in der Menge und auch von mir aus, auch an den Tagen, an denen man reichlich Zucker zunimmt, kann schon zu einer Gewichtsreduktion und zu einer Reduktion des Insulin Spiegels und damit zu einer Verbesserung führen. Aber man kann durchaus mal. Paar Tage sich mit viel Zucker auch mal gut gehen lassen, das ist sicher nicht gefährlich.

Dr. Armbrust [00:12:17] Die Lebensqualität sollte auch nicht darunter leiden. Ja und ich denke auch, dass das der entscheidende Punkt ist, dass man die Dinge nicht so apodiktisch sehen soll, nicht so ganz oder gar nicht. Und das es eben auch nicht den einen Weg gibt, sich richtig zu ernähren oder falsch, sondern das ist oft auch individuelle Einzelfälle sind

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:12:32] ja ein Faktor. Allein zu ändern reicht eben nicht. Man muss es kommen ja mit Sport und anderen Dingen. So ein bisschen philosophisch dialektisch, was wir jetzt gerade besprechen, aber das lebt. Der Bus gibt ist ein Teil des Lebens, entsteht aus einem lebenden Organismus, aus normalen Zellen und er lässt sich durch Lebensstil Faktoren auch beeinflussen. Aber eben nicht nur durch ein und nicht nur apodiktisch, indem man einer Strategie folgt, sondern auch da muss man nach links und nach rechts gucken und verschiedene Mechanismen gleichzeitig bedienen.

Dr. Armbrust [00:13:01] Kommen wir zu einem weiteren Mythos Der Brustkrebs ist generell nicht heilbar und muss immer mit einer Chemotherapie behandelt werden.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:13:07] Er ist wirklich ein Mythos. Also der Brustkrebs ist heilbar. Wir reden wegen der Vergleichbarkeit von einer 5 bis 10 Jahres Überlebensrate. Das heißt nicht, dass der 5 oder 10 nicht mehr auftreten kann. Aber um irgendwie die Daten vergleichen zu können zwischen den Ländern, zwischen den verschiedenen Studien und so weiter und wir sind in Deutschland, haben wir eine Mindest Überlebensrate von 90 prozent nach fünf Jahren. Und da sind alle Stadien bei. Die Patienten, die schon bei Feststellung des Brustkrebs Metastasen haben, als auch die diesen Vorstadium haben alle zusammen über 90 prozent, nach 10 Jahren sind es über 80 prozent. Und ich denke, wenn man jetzt aktuell messen würde, würde es wahrscheinlich noch besser sein. Der größte Teil der Frauen ist heilbar. Wenn sie nach den 5 oder 10 Jahren wieder Brustkrebs bekommen, muss das nicht der Brustkrebs vom letzten Mal gewesen sein, sondern er kann und entsteht ihr täglich wieder neu. Und wenn die Bedingungen einmal günstig waren, können sie natürlich noch zehn oder 20 Jahren wieder günstig sein. Und weil man das weiß, versucht man eben durch Lebensstil modifizierte Faktoren, durch Medikamente, die man über eine längere Zeit gibt, eben dieses Risiko des Wiederauftreten zu reduzieren. Aber Brustkrebs ist heilbar. Zum Thema Chemotherapie: Chemotherapie als sozusagen vorbeugend. Wir sagen Aiduvandte Therapie ist nur dann notwendig, wenn der Brustkrebs aggressiv ist. Und wir bezeichnen ein Brustkrebs dann als aggressiv, wenn er resistent ist gegen endokrine, also anti hormonelle oder auch hormonelle Therapien. Wenn der Brustkrebs Eigenschaften hat, Resistenzen zu entwickeln oder schon zu haben gegen diese Medikamente, dann empfehlen wir eine zusätzliche Chemotherapie, um diese Resistenz zu durchbrechen. Wir sind allerdings auch dabei und es gibt vielversprechende Studiendaten dazu, Medikamente zu nehmen, die auf andere Art diese Resistenzen bekämpfen. Zum Beispiel die sogenannten CDK 4/6 Inhibitoren,

Dr. Armbrust [00:14:55] Also ganz bestimmte Antikörper um es grob zu sagen.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:14:57]  Moleküle, die diese Resistenz Mechanismen angreifen. Und es gibt Zeichen für diese Resistenzen, die man ganz einfach aus der Tumor Formel und aus den Rezeptoren herauslesen kann. Man kann aber auch spezielle genetische Tests machen. Aber Chemotherapie ist eher selten notwendig, maximal bei 30 prozent der Frauen.

Dr. Armbrust [00:15:17] Okay, das war schon mal eine sehr gute Aussage. Nächster Mythos Man kann Brustkrebs gut und einfach vorbeugen.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:15:24] Gut und einfach ist ja eigentlich nichts. Und eine schwere Erkrankung gut und einfach zu vorzubeugen kann nicht funktionieren. Aber wenn man so viele Lebensstil Faktoren können wir kaum beeinflussen, wie eben das sogenannte reproduktive Fahrverhalten. Man kann heute Frauen nicht empfehlen früh schwanger zu werden und viele Kinder zu bekommen, ihr berufliches und Privatleben irgendwie da in den Einklang mit zu bringen oder vielleicht sogar hintanzustellen. Man kann aber beispielsweise dadurch, dass Frauen schlank bleiben, das Risiko reduzieren, aber das wird nie auf Null kommen. Und ich habe viele Patientinnen, die ihr Leben lang, dass sagen sie sogar vorwurfsvoll, Ich habe immer gesund gelebt, hat mir nie was geleistet, habe nicht geraucht, habe kaum oder nie Alkohol getrunken, war immer Sport und trotzdem habe ich Brustkrebs bekommen. Das schließt das also nicht aus. Es reduziert das Risiko, aber es schließt das Risiko nicht komplett aus. Aber um wieder auf die ersten Frage zurückzukommen Wenn man einen gesunden Lebensstil hatte und trotzdem Brustkrebs bekommt, hat man in der Regel dennoch eine bessere Prognose. Also es ist immer sinnvoll, einen gesunden Lebensstil zu pflegen.

Dr. Armbrust [00:16:29] Meine Frage zielt auch ein bisschen auf das Screening, auf den Effekt, dass Mamakarzinom Screenings. Ich weiß, dass Sie das nicht negativ finden, aber können Sie den Patienten vielleicht erklären, warum wir als Ärzte doch denken, dass das einen sehr großen Sinn hat? Und auch das Screening ist für uns ein geflügeltes Wort. Aber Patienten können oft gar nicht so viel damit anfangen. Welchen Effekt sehen Sie dahinter und inwiefern würden Sie das wirklich noch mal untermauern?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:16:54] Ja, das Screening bedeutet, dass man Symptom lose Frauen überprüft. Daraufhin dahingehend, ob sie Frühstadium eines Brustkrebs haben, der in Deutschland das Mammografie Screening. Alle Frauen zwischen 50 und 69 werden eingeladen. Es sieht wohl so aus, als ob wir bald mit 45 anfangen. Können und dass das Screening Alter über das 70 hinausgehen wird. Die waren eingeladen alle zwei Jahre und bekommen eine Mammographie. Dadurch stellt man und das ist bewiesen. Bei vielen dieser Frauen Brustkrebs früher fest und kann weniger radikal behandeln. Wenige Chemotherapien machen, weniger Brust Entfernung machen. Die Heilungsrate wird man dadurch wahrscheinlich nicht erhöhen, weil die schon so sehr gut ist, wie ich davon schon gesprochen habe. Und die wird hauptsächlich durch Medikamente beeinflusst, nicht durch Operationen, nicht durch Früherkennung, die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit und über die richtige Dauer gegeben, dass ist der Schlüssel zum Erfolg, dass ist der Schlüssel zur Heilung. Also immer wieder Medikamente, Medikamente, Medikamente? Leider nicht. Die Operation sage ich leider aus berufspolitischen Gründen. Aber wichtiger ist für die Frauen als eine radikale Operation eine gute Therapie. Früherkennung reduziert die Radikalität der Chemotherapie, der Hormontherapie, reduziert die radikale Qualität der Operation. Deshalb ist das sinnvoll. Die das Screening Programme Deutschland ist zu verbessern hatte ich schon gesprochen. Einen zusätzlichen Ultraschall. Gerne auch beim Frauenarzt, bei der Frauenärztin. Wir können das verbessern. Ich habe ein paar Mal schon gesagt, wir haben nichts Besseres und man sollte das Beste, was wir gerade haben, eben auch nutzen. Auf jeden Fall also hingehen und die Nachteile kompensieren. Einer der Nachteile zum Beispiel ist, dass man keine Ärztin, kein Arzt dort sieht bei diesem Screening. Das kann man ja durch die Gesetz von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlten Vorsorge klinischen Untersuchungen unterstützen oder bzw. ergänzen. Was aber mindestens genauso wichtig ist, ist die mindestens monatliche Selbstbetrachtung. Ich sage jetzt ausdrücklich Betrachtung als selbst Untersuchung. Und zwar sollten die Frauen vor dem Spiegel gut beleuchtet die Arme in die Höhe heben, damit die Haut gestrafft wird und auf Brusthautveränderung schauen, ob die Haut sich einzieht an bestimmten Stellen, ob sich die Brustwarze verändert, ob die Brustwarze sich einzieht, ob es Haut, Rötung gibt oder plötzlich eine Apfelsine Haut auf einer Seite Phänomen aufgetreten ist. Das sind sehr frühe Zeichen, die sind früher, als man Brustkrebs ertasten kann. Wenn er in der Tiefe sitzt, dann zieht er an, so Eiweiß, Bändchen an Bindegewebe, Beinchen, Septen nennen wir die, die bis zur Haut reichen. Und es können diese Kubaliga Momente, sagen wir diese. Sagen wir also diese Eiweiß Bändchen, die führen fast wie Seismographen zur Haut oder wie Telegraphen Leitung zur Haut, ziehen daran und man sieht dem an der Hauteinziehung das in der Tiefe Brustkrebs sein kann. Das betrachten einmal Monat ist extrem wichtig, begleitet von der Untersuchung. Und wenn man das kombiniert mit der ärztlichen Untersuchung, die Ärzte haben noch ein anderes Fokus, worauf sie gucken beim Ultraschall und dem Mammografie Screening, dann kann man sich nahezu sicher sein, wenn Brustkrebs auftritt und das ist nahezu schicksalhaft, diesen dann früh erkannt zu bekommen und entsprechend wenig radikal behandelt zu kriegen.

Dr. Armbrust [00:20:07] Vielen Dank für diesen Umriss des Screenings. War mir sehr, sehr wichtig. Zum Schluss würde mich noch interessieren Was ist denn der größte Mythos, der Ihnen alltäglich begegnet von Patientinnen?

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:20:16] Das eine radikale Operation Brustkrebs heilt. Es ist ganz typisch. Die meisten sagen: nehmen Sie mir die Brust ab, operieren Sie so radikal wie nötig. Ich will geheilt werden. Ich will meine Kinder, meine Enkel aufwachsen sehen. Und nehmen Sie mir gleich noch die andere Brust ab. Nein, nicht notwendig. Brustkrebs ist eine der Erkrankungen, die einer der Krebserkrankung, die sehr schnell streuen. Man findet also selbst in frühesten Stadien Tumorzellen im Blut und in anderen Organen. Und die sind die Gefahr, dass diese verstreuten Brustkrebszellen irgendwann mal bei günstigen Bedingungen zu Metastasen sich entwickeln, also zu einem Verband, die dann diese lebenswichtigen Organe wie Leber, Lunge, Knochenmark, Gehirn zerstören. Und die kann man nur mit Medikamenten behandelt und nicht mit einer radikalen Operation. Das mit der radikalen Operation ist so ein Mythos, der kommt aus der Vergangenheit. Man hat bis vor 30 Jahren gar nichts anderes machen können, als radikal zu operieren, weil die Frauen dann häufig mit ausgedehnten Brustkrebs Stadien kamen und man konnte einfach nur die Brust abnehmen, um den Tumor wegzubekommen. Und man hatte nichts anderes, außer das Messer und vielleicht noch die Strahlentherapie. Man hatte keine Medikamente und aus dieser jahrhundertelangen oder vielleicht sogar Jahrtausende lang Erfahrung, dass Frauen bei Brustkrebs immer eine radikale OP bekommen haben, kommt dieser Mythos. Eine Operation hilft, weil einige dann irgendwie überlebt haben. Ob die wirklich Brustkrebs in der damaligen Zeit hatten, fragen wir uns heute. Das ist der häufigste Mythos, der wirklich ein Mythos ist. Die Medikamente sind wichtig, nicht die Radikalität der Operation.

Dr. Armbrust [00:21:45] Tatsächlich war das auch einer meiner Mythen, die ich noch selber aufgeschrieben hätte, weil wir das in der Gynäkologie natürlich auch ganz oft sehen. Nehmen Sie mir alles raus, entfernen Sie mir alles. Und dann bin ich geheilt. Porf. Blomer, vielen Dank, dass Sie uns diese Fragen beantwortet haben und wir freuen uns auf weitere Folgen mit Ihnen In Zukunft.

Prof. Dr. Jens Uwe Blomer [00:22:05] Macht das sehr gern. Sehr angenehme Atmosphäre. Gute Fragen. Und wenn man dabei selber ein Umdenken erreichen können weg,  von den Mythen hin zu den Fakten haben eine Menge erreicht, schönen Dank!

Dr. Armbrust [00:22:14] Vielen Dank! Dieser Podcast wird unterstützt durch die Hexal AG mit Sitz in der Industrie Straße 25 in 83607 Holzkirchen. Die Hexal AG ist jedoch nicht für den Inhalt des Vortrags verantwortlich. Thema und Inhalt obliegen der wissenschaftlichen Freiheit der Referenten.